Dezember 2022 - Kartoffel als Giftpflanze des Jahres 2022

Keinesfalls solle die Verleihung des Titels zur Giftpflanze des Jahres den Verzehr der leckeren stärkehaltigen Knolle beschränken, so betont der Botanischen Sondergarten in Hamburg-Wandsbek, der bereits seit 2005 jährlich diesen Titel nach öffentlicher Abstimmung vergibt. Vielmehr wolle man durch die Wahl der Kartoffel zur Giftpflanze des Jahres das Bewusstsein dafür schärfen, dass es mit wenigen Grundkenntnissen problemlos möglich ist, unfallfrei mit Giftpflanzen in Haus und Garten zu leben. Denn für die Biodiversität spielen Giftpflanzen eine wichtige Rolle [Kartoffel - Giftpflanze des Jahres].

Kartoffeln gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) [Nachtschattengewächse - Wikipedia] für die u. a. die Bildung von Alkaloiden charakteristisch ist. Das bedeutendste Alkaloide in der Kartoffel ist α-Solanin [Solanin – Wikipedia]. Hohe Gehalte finden sich in allen grünen Pflanzenteilen. In der Knolle sind Keime, Augen und unreife, grüne Stellen hoch belastet.

Symptome einer Solaninvergiftung können innerhalb weniger Minuten bis nach zwei Tagen nach dem Verzehr auftreten. Geringe Mengen an Solanin können Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Fieber; größeren Mengen können zusätzlich Bewusstseinsstörungen - bis zum vollständigen Bewusstseinsverlust - sowie weitere Störungen der Hirnfunktion, der Atmung oder des Kreislaufes verursachen. Von einzelnen tödlichen Vergiftungen wurde berichtet. Als tödlich gilt eine Dosis von 400 mg. Die Symptome können dabei innerhalb weniger Minuten bis hin zu 2 Tage nach dem Verzehr auftreten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Höchstgehalt von 200 mg/kg Kartoffel als unbedenklich eingestuft. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 30-70 mg/kg in der Schale auf. Der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer, weshalb ihr Verzehr als sicher gilt [www.inchem.org/...]. Im Jahr 2015 wurden in einer Familie Erkrankungsfälle in Form von Erbrechen und Bauchschmerzen im Zusammenhang mit dem Verzehr von Kartoffel-gerichten beobachtet. Nachfolgende Untersuchungen ergaben einen Glykoalkaloidgehalt von 236 mg/kg Kartoffeln, weshalb das BfR eine Anpassung des Alkaloidgehalt von Speisekartoffeln unter 100 mg/kg Frischgewicht fordert [Stellungnahme Nr. 010/2018 des BfR].

Abstimmung

Stimmen Sie mit für die Giftpflanze des Jahres 2023 ab! Geben Sie Ihr Votum für die Wahl der Giftpflanze des Jahres hier ab: www.hamburg.de/...

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